Das Bard hat mehrere ehemalige DDR-Botschaftsgebäude bezogen. Foto: Bardp

Pankower Bard College expandiert Kleine Uni ganz groß

Ulrike Scheffer
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Im ehemaligen DDR-Botschaftsviertel in Niederschönhausen leben und studieren mittlerweile 260 Studenten aus aller Welt. Am Samstag reisen die neuen Erstsemester an.

Während für die meisten Berliner Studentinnen und Studenten die Semesterferien gerade erst so richtig begonnen haben, kommen am kleinen Bard College in Pankow-Niederschönhausen an diesem Samstag bereits die Erstsemester-Studenten des kommenden Studienjahres an. 79 sind es diesmal, so viele wie nie zuvor. Insgesamt wird die Studentenzahl des Bard damit auf 260 steigen. Vor fünf Jahren waren es noch nicht einmal 30. Das College expandiert - und wird damit auch für die Berliner Studienlandschaft zu einer festen Größe. Seit 2011 staatlich anerkannt, erhielt es im Frühjahr auch die institutionelle Akkreditierung durch den deutschen Wissenschaftsrat.

Das private College war 1999 aus der Idee einiger deutscher Intellektueller hervorgegangen, in Deutschland Summer Schools nach amerikanischem Vorbild zu etablieren. Getragen wurde es zunächst von einer amerikanischen Stiftung, die im ehemaligen DDR-Diplomatenviertel in Niederschönhausen mehrere alte Botschaftsgebäude erwarb. Inzwischen gehört es zum namensgleichen College in New York. Das Programm des Bard ist in Deutschland einzigartig: Angeboten werden interdisziplinäre Studiengänge in Geistes- und Sozialwissenschaften, darunter zwei Bachelor-Programme. Die Abschlüsse sind in den USA und in Deutschland anerkannt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Kunst- und Theaterkurse. Unterrichtssprache ist Englisch.

Neue Studenten und neue Lehrende

Weil die Studentenzahlen stetig steigen, wächst auch die Zahl der Lehrenden. "Für das neue Studienjahr konnten wir einige sehr renommierte Kollegen gewinnen", sagte Direktor Florian Becker dem Tagesspiegel. Dazu gehören unter anderem die Kunsthistorikerin und frühere Documenta-Professorin Dorothea von Hantelmann und der Politologe und Globalisierungsforscher Boris Vormann, der von der FU ans Bard wechselt. Mit Agata Lisiak wird außerdem eine ausgewiesene Migrationsforscherin an die internationale Einrichtung kommen. Das Thema durchziehe längst alle Lehrbereiche am Bard und habe durch die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa noch einmal an Bedeutung gewonnen, erklärt Becker.

Die Studenten des Bard müssen sich zwar zu zweit ein Zimmer teilen. Im Garten haben sie aber viel Freiraum. Foto: Bard Collegep

Das College hat ein eigenes Stipendienprogramm für Geflüchtete und junge Leute aus Krisenregionen aufgelegt. 18 Studenten kann darüber nun ein Studium in Berlin ermöglicht werden. Da am Bard Studenten aus 60 Ländern eingeschrieben sind, bestimmen Hürden und Freuden des Lebens fern der Heimat aber ohnehin den Campusalltag.

Die Studienanfänger werden intensiv betreut. Das College hat eigene Wohnheime - die wie die Lehrgebäude in einem fußläufigen Radius oberhalb des Pastor-Niemöller-Platzes liegen -, unterrichtet wird in kleinen Gruppen von maximal 15 Studenten. "Das ist eines unserer wichtigsten Qualitätsmerkmale", sagt Direktor Florian Becker.

Die Seminare im Bard-College finden in kleinen Gruppen statt. Foto: Bard Collegep

Das Bard College finanziert sich über Studiengebühren und Spenden. Studienanfänger zahlen aktuell 26.313 Euro pro Jahr, höhere Semester, die nicht mehr auf dem Campus wohnen, 18.610 Euro Jahresgebühr. Einkommensschwachen Studenten werden spendenfinanzierte Beihilfen gewährt. Im kommenden Studienjahr wird das Budget der Uni Beckers Angaben zufolge von knapp vier Millionen Euro auf knapp unter fünf Millionen Euro ansteigen. Auch räumlich wird aufgestockt. Auf einer Freifläche an der Waldstraße soll ein Erweiterungsbau mit 12 Studentenwohnungen entstehen. Das Bard will also weiter wachsen.

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