Hoch hinaus. Centermanager Uwe Timm (51) auf dem Dach des Europa-Centers. Nicht im Bild ist der berühmte Mercedes-Stern, der sich ein paar Meter darüber dreht. Foto: Doris Spiekermann-Klaasp

Pläne der Arbeitsgemeinschaft City Neuer Schulterschluss für den Berliner Westen

Cay Dobberke
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Im Interview spricht Uwe Timm, Centermanager im Europa-Center und Vorstandsmitglied der AG City, über den Boom der westlichen Innenstadt und die jüngsten Ideen für deren Aufwertung.

Herr Timm, ist die westliche Innenstadt die Top-Einkaufsadresse in Berlin?

Absolut, und zwar mit Abstand. Zum einen gibt es nirgends so viele Schaufensterkilometer, so viel Verkaufsfläche und so viele unterschiedliche Einzelhändler oder Gastronomen. Und dann kommt natürlich die Qualität dazu. Wir nennen das gerne Boulevard-Shopping. Im Vergleich zu anderen Straßen – nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten – findet man das selten: So eine schöne breite Straße, eine richtige Flaniermeile, mit vielen Bäumen und repräsentativen Häusern. Bei der Bepflanzung des Mittelstreifens kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Als im vorigen Herbst die Mall of Berlin am Leipziger Platz eröffnete, meinten Branchenkenner, das könne sich bis in den Berliner Westen auswirken. Ist es so gekommen?

In der Eröffnungsphase haben wir etwas davon gespürt, weil viele Leute neugierig auf die Mall waren. Jetzt merken wir gar nichts mehr davon – weder bei den Umsätzen in den Geschäften noch bei der Nachfrage nach Mietflächen. Selbst Händler, die am Leipziger Platz angemietet haben, brauchen meistens noch einen Standort hier.

Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es am Zoo die Passage „Bikini Berlin“ mit Designerläden, die anders als übliche Center sein will. Passt das anspruchsvolle Konzept zum Standort?

Ich glaube, dass wir in der City West auch viele anspruchsvolle Menschen haben. Deswegen ist ja auch die eigentliche Luxusmeile von Berlin nicht die Friedrichstraße oder der Hackesche Markt, sondern der Kurfürstendamm. In der Konsummeile – der Tauentzienstraße und dem östlichen Ku’damm – ist der Standort dagegen eher im Mainstream verankert, ich meine damit Zara, H&M und selbst Peek & Cloppenburg.

Bikini Berlin hat ein sehr interessantes Konzept. Die Zielgruppe stellt im Einzelhandel eher eine Nische dar. Man braucht natürlich einen sehr langen Atem, um das zu etablieren. Wenn man das Konzept anpasst – und das macht der Eigentümer Bayerische Hausbau – kann man bei der Nachbarschaft Anleihen nehmen.

Wir haben dort das Kino Zoo-Palast, das Synergien bringt, und um die Ecke die Fotogalerie C/O und das Helmut-Newton-Museum – das ist alles nichts für junge Leute, die nur etwas billig haben wollen. Es zeigt, wozu der Standort in der Lage ist, und wird mit dem Bikini-Haus hervorragend ergänzt.

Oft ist vom neuen Boom der westlichen Innenstadt die Rede, macht sich dieser auch innerhalb der AG City bemerkbar?

Naja, ich erinnere mich noch an Zeiten, als das ein Laber-Verein mit etwas über 100 Mitgliedern war. Jetzt dagegen wird wirklich gearbeitet, es gibt jede Menge Projekte. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht neue Mitglieder aufnehmen – wir sind schon über 400. Auch unsere regelmäßigen Gesprächsabende, die „City Talks“, erfreuen sich größter Beliebtheit, wir hatten schon welche mit mehr als 200 Teilnehmern.

Die AG City will ein Pionier bei „Berliner Immobilien- und Standortgemeinschaften (BIG)“ sein, in denen sich Immobilieneigentümer zu finanziellen Beiträgen für die Aufwertung der Umgebung verpflichten. Das Gesetz dafür gibt es seit Oktober – wie weit sind Sie jetzt?

Relativ weit. Allerdings wissen wir aus den Erfahrungen in Hamburg, dass man wahrscheinlich Jahre braucht, um einen Antrag zu stellen. In diesem Jahr gab es schon einen Workshop mit etlichen Anliegern, der zweite wird gerade vorbereitet. Im nächsten Schritt konkretisieren wir die Ideen.

Zum Beispiel, in welcher Form?

Ein Beispiel ist ein „SOS-BIG“. SOS heißt hier: Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit. Da sind wir in den vergangenen Jahren schon vorangekommen mit dem Pilotprojekt der Sonder-Straßenreinigung am Ku’damm. Daraus lässt sich mehr machen, vielleicht für den ganzen Bereich vom Wittenbergplatz bis zur Uhlandstraße.

Es könnten auch Hostessen unterwegs sein, die Touristen Auskünfte geben und Serviceleistungen erbringen, aber auch für Ordnung sorgen und freundlich darauf hinweisen, nicht in zweiter Reihe zu parken. In Hamburg am Neuen Wall funktioniert das wunderbar. Wir denken auch über eine saisonale Wechselbepflanzung des Mittelstreifens nach.

Zu den vielen weiteren Ideen gehört die Fortführung der Gestaltung des Breitscheidplatzes. Er sollte etwas aufgeräumt werden. Das heißt nicht, Bäume zu fällen, sondern ihn konzeptionell zu gliedern. Es sollte eine feste Aktionsfläche mit professioneller Infrastruktur geben, im Wesentlichen geht es um Wasser, Abwasser und Strom. Ich meine, dass die Immobilieneigentümer bereit sind, sich dafür finanziell zu engagieren.

Was halten Sie von den Plänen des Bezirks, die Zahl der Veranstaltungen auf dem Breitscheidplatz zu reduzieren?

Das halte ich für den falschen Ansatz. Mir konnte niemand begründen, warum 120 Veranstaltungen verträglich sind, 150 aber nicht. Es geht eigentlich um deren Qualität. Wir – die Anlieger und der Bezirk – sollten dazu Kriterien aufstellen, aber uns nicht mit platten Normen zur Zahl der Veranstaltungen die Chancen für das Standortmarketing nehmen.

Die AG City und Architekt Christoph Langhof haben vorgeschlagen, auf dem Hardenbergplatz ein 209-Meter-Hochhaus zu bauen – sind damit aber bei Politikern abgeblitzt. Ist die Idee gescheitert?

Das glaube ich nicht. Christoph Langhof sagt, dass er für das Hochhaus „Upper West“ 19 Jahre gebraucht hatte – jetzt wird es aber gebaut. Er glaubt, für ein Hochhaus auf dem Hardenbergplatz würden sicher noch zehn Jahre ins Land gehen, aber gebaut wird’s. Man sollte nie nie sagen.

Das Gespräch führte Cay Dobberke. Das komplette Interview finden Sie im Tagesspiegel-Wirtschaftsmagazin „Köpfe“ mit dem aktuellen Themenschwerpunkt City West Berlin. Das Heft bekommen Sie hier: Tagesspiegel Köpfe bestellen.

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