Passanten staunen: An der Lietzenburger / Ecke Knesebeckstraße stehen zwei bunt besprühte Teile der Berliner Mauer. Foto: Cay Dobberkep

Berlin-WilmersdorfDie Mauer steht jetzt im Westen

von Cay Dobberke1 Kommentare

Bunte Betonelemente überraschen Passanten an der Lietzenburger Straße. Die Originalstücke aus der Berliner Mauer hat ein Künstler gestiftet.

Mehr als 27 Jahre nach dem Berliner Mauerfall stehen zwei große, bunt besprühte Betonelemente plötzlich mitten in der westlichen Innenstadt, am Rande des Gehwegs an der Lietzenburger, Ecke Knesebeckstraße in Wilmersdorf. Während Passanten noch über die Herkunft der Brocken rätseln, erfuhr der Tagesspiegel von der Hausverwaltung, auf deren Grundstück sie stehen, mehr. Laut Benjamin Hopmann von der Immeo GFR GmbH handelt es sich um Original-Mauerstücke aus dem Besitz des Künstlers Patrice Lux.

Aus Dank dafür, dass die Immobilienfirma ihm andernorts Atelier- und Ausstellungsräume zur Verfügung stellen wolle, habe Lux dem Unternehmen die Betonteile überlassen.

Die Verzierungen auf dem Stein stammen nicht aus der Zeit der deutschen Teilung, sondern entstanden erst viel später. Die jüngste Änderung gab es am Donnerstag: Ein Blumenmotiv wurde übersprüht. Nun sieht man an der Stelle das Logo der ehemaligen DDR-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) und den Berliner Fernsehturm. Statt „FDJ“ steht dort aber „FDR“. Dies habe sein Chef veranlasst, als Anspielung auf die Muttergesellschaft der Immobilienfirma namens FDR, erklärte der Hausverwalter.

Man will die Straße verschönern und politisch ein Zeichen setzen

Das Unternehmen möchte „die Lietzenburger Straße aus ihrer grauen Tristesse holen und etwas farbenfroher gestalten“. Besonders „im Hinblick auf die wenigen Mauerstücke, die in der Stadt verblieben sind“, sehe man darin eine Bereicherung für die City West. Außerdem gehe es um ein politisches Statement: „Gerade in Zeiten, in denen Mauern in Köpfen wieder errichtet werden, möchten wir dieses Mahnmal für unsere Freiheit wieder aufleben lassen.“ Hopmann sagt, es handele sich nicht speziell um einen Protest gegen die Pläne von US-Präsident Donald Trump für eine Mauer an der amerikanischen Grenze zu Mexiko. Andererseits habe man auch nichts dagegen, wenn Betrachter die Installation so interpretieren.

Abstrakte Motive zieren die andere Seite der Betonelemente. Foto: Cay Dobberkep

Der Künstler Patrice Lux, der dem Kollektiv „Neu West Berlin“ angehört, hatte sich nach der deutschen Einheit insgesamt rund 250 Mauerstücke aus einem Betonwerk in Teltow gesichert und viele davon weltweit verkauft oder verschenkt. Eines ging als Präsent an den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan.

Ordnungsamt prüft nun die Standsicherheit

Der Boden neben dem Gehweg an der Lietzenburger Straße sei Privateigentum, heißt es von der Hausverwaltung. Dennoch will das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf bis zum kommenden Mittwoch klären, ob die Mauerteile stehen bleiben dürfen. Dabei gehe es nicht um künstlerische oder politische Fragen, sondern um die Statik und Standsicherheit, betont der zuständige Stadtrat Arne Herz (CDU). „Wenn private Flächen öffentlich zugänglich sind, gilt die Straßenverkehrsordnung, und wir müssen prüfen, ob Gefahr für die Passanten besteht.“