Wenn es dunkel wird im Tiergarten. Der Park hat ohnehin nicht den besten Ruf, nun sollen auch die alten Lampen dort weg. Foto: Cay Dobberke
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Berliner Gaslaternenmuseum verfällt Im Tiergarten wird es immer finsterer

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90 Lampen, 84 davon kaputt: Das Gaslaternenmuseum im Tiergarten soll nach Kreuzberg umziehen. Bis das passiert, müsste aber vieles restauriert werden.

Ein Gaslaternenmuseum, in dem fast keine Lampen mehr leuchten, hat seinen Sinn weitgehend verloren. Im Tiergarten zwischen der Schleuse am Landwehrkanal und der Straße des 17. Juni ist das seit Jahren Realität. Von den früheren 90 Laternen sind nur noch ganze sechs in Betrieb. Mehr als 30 besonders stark beschädigte Leuchten wurden sogar für geplante Restaurierungen abgebaut und eingelagert. Vor allem Vandalismus hat dem 1978 eröffneten Berliner Gaslaternenmuseum zugesetzt. Einige der Masten sind oben kahl, die Leuchtkörper wurden völlig zerstört oder gestohlen.

Jetzt steht fest, dass die Sammlung ins Deutsche Technikmuseum in Kreuzberg umziehen soll. Doch wann das geschieht, kann noch niemand sagen. „Wir sind bereit, die Gaslaternen auf unserem Freigelände aufzustellen“, bestätigt das Technikmuseum auf Nachfrage. Das Freigelände sei abends normalerweise nicht zugänglich, doch plane man Führungen außerhalb der üblichen Öffnungszeiten. Zuvor müsse allerdings das Land Berlin für die Instandsetzung der Leuchten sorgen.

„Es wird noch einige Zeit dauern“

Aus der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz heißt es, für die denkmalgerechte Aufarbeitung sei „ein großer personeller und finanzieller Aufwand“ nötig. „Es wird daher noch einige Zeit dauern, bis die restaurierten Laternen im Technikmuseum ausgestellt werden können“, sagte Sprecher Matthias Tang. Erschwerend komme hinzu, dass man „parallel das sehr aufwendige Vergabeverfahren“ für den künftigen Betreiber der öffentlichen Straßenbeleuchtung in Berlin vorantreiben müsse.

Na, immerhin. An diesem Mast leuchten noch zwei der drei Lampen. Viele Laternen im Freilichtmuseum sind stärker beschädigt. Foto: Cay Dobberke
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Bis auf Weiteres bleiben die Wege im Bereich des bisherigen Gaslaternenmuseums also schlecht beleuchtet, was nicht nur Bewunderer historischer Technik stört, sondern auch dem Sicherheitsgefühl von Passanten nach dem Sonnenuntergang abträglich ist – zumal der Tiergarten ja ohnehin gerade in Verruf geraten ist durch den Mord an einer Frau, die wilden Lager der Obdachlosen und männliche Flüchtlinge, die bezahlten Sex anbieten und mitunter von herumlungernden Cliquen verprügelt werden. Es gibt zwar neben den alten Leuchten eine zusätzliche Reihe moderner Laternen, doch selbst diese sind nicht alle intakt.

Exponate aus ganz Europa lockten früher viele Neugierige an

Ursprünglich war die Freilichtausstellung eine Attraktion, die sowohl Berliner als auch Touristen anlockte. Bei der Eröffnung vor 39 Jahren wurden 31 Laternen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern installiert, später wuchs die Zahl auf bis zu 90. Die meisten Exponate sind Originale, andere wurden nachgebaut. Schon damals sollte die Sammlung wegen der Elektrifizierung der Berliner Straßenbeleuchtung, um die bis heute gestritten wird, einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen.

Die älteste Berliner Gaslaterne war 1826 am Boulevard Unter den Linden in Mitte in Betrieb gegangen. Sie steht zusammen mit ein paar anderen Exemplaren neben dem Berlin-Pavillon an der Straße des 17. Juni, der heute ein „Burger King“-Restaurant ist. An dieser Stelle leuchtet jedoch keine einzige Laterne mehr. Zeitlich reicht das Spektrum der gesamten Ausstellung bis ins Jahr 1956.

Verein hat seine Führungen aufgegeben

Der Berliner Verein „Gaslicht-Kultur“ bietet schon längst keine Führungen in das marode Museum mehr an. Inzwischen kämpft man vor allem für die Erhaltung möglichst vieler Gaslaternen im öffentlichen Straßenland, weil der Berliner Senat bis 2020 stadtweit eine kostensparende Umstellung auf den elektrischen Betrieb plant. Ausgenommen sind nur einige historische Laternen, die das Landesdenkmalamt für schützenswert hält.

Ganz entgegen dem Trend hat der Künstler Olaf Nicolai im vorigen Mai übrigens die wohl größte Gaslaterne der Welt am östlichen Ende der Charlottenburger Kantstraße nahe dem Bahnhof Zoo geschaffen. Die 16 Meter hohe Installation steht vor dem Motel-One-Hotel im neuen Hochhaus „Upper West“. Die Bauherren des Turms haben das 600.000 teure Kunstwerk finanziert. Der silberne Edelstahlmast ähnelt einer historischen Berliner Laterne, abgesehen natürlich von der Höhe – welche die Lampe oben nebenbei auch hervorragend vor Vandalismus schützt.

Das Technikmuseum (hier mit dem "Rosinenbomber" Douglas C-47 B Skytrain) ist bereit, die alten Laternen aufzunehmen. Kitty Kleist-Heinrich
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