Der Oberhafen vor der Schulenburgbrücke soll zum Umschlagplatz für Schwerlasten werden. Foto: Duringp

Berlin-Spandau Wohnungen oder Hafen? Streit um Havel-Grundstück

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Die Betreibergesellschaft will auch wieder den Nordteil des Südhafens nutzen, der Bezirk möchte hier Wohnungen bauen

Neulich stand Helmut Kleebank ganz oben auf dem Rathausturm. Der Wind pfiff dem Spandauer Bezirkschef um die Nase, die Sonne schien, die Aussicht war herrlich. Doch dann zeigte der SPD-Politiker auf ein prominentes Grundstück an der Havel – exakt 1000 Meter Luftlinie vom Rathaus entfernt. Um das Grundstück gibt’s im Westen Streit.

An der Havel, am Südhafen, sind derzeit Flüchtlinge untergebracht in vielen weißen Containern. Der Bereich des nördlich der Schulenburgbrücke gelegenen Teils des Spandauer Südhafens ist gegenwärtig mit einem Containerdorf zur Unterbringung von Flüchtlingen belegt. Dessen Nutzung ist bis Ende 2019 begrenzt. Danach will die Betreibergesellschaft Behala den sogenannten Oberhafen wieder seiner ursprünglichen Nutzung zuführen. Dort soll eine Umschlaghalle für schwere Stückgüter ab einem Gewicht von 30 bis 50 Tonnen entstehen, sagte Behala-Geschäftsführer Peter Stäblein dem Tagesspiegel. Der Bereich des jetzigen Containerdorfes soll als Bewegungsfläche für die Transportfahrzeuge befestigt werden. Ein entsprechender Bauantrag ist in Vorbereitung.

Schwerlasten per Linienschiff nach Hamburg

Ursprüngliche Pläne für ein Containerterminal wurden wegen der nahen Wohnbebauung aufgegeben. In der Umschlaghalle sollen künftig Schwergüter, die nicht in Container passen und bisher nur per Lkw zu den großen Seehäfen transportiert werden konnten, zwischengelagert und auf Binnenschiffe verladen werden. Um dies wettergeschützt zu ermöglichen, soll die Halle ein über die Ufermauer hinausragendes Dach erhalten. Stäblein hofft, für regelmäßige Transporte nach Hamburg eine Reederei zu gewinnen, kann sich aber auch vorstellen, dass die Behala eine solche Linie in Eigenregie organisiert.

Bezirk will das Gebiet neu ordnen

Erste neue Gespräche mit dem Bezirk sind bereits geführt worden, sagt Stäblein. Im Spandauer Rathaus fordert man indessen weiterhin die Umwandlung des Areals in eine Wohnfläche. „Wir wollen das Gebiet neu ordnen“, sagt Baustadtrat Frank Bewig (CDU). Im nördlichen Teil soll eine Wohnsiedlung entstehen, im südlichen Teil die Hafennutzung abgesichert werden. Entsprechende Pläne liegen allerdings seit längerer Zeit auf Eis, weil sich die zuständigen Senatsverwaltungen nicht einigen konnten.

„Dieser Hafen ist verkehrspolitisch notwendig“, betont Peter Stäblein. Die Planung der Umschlaghalle erfolgte unter Berücksichtigung der Belange der Anlieger. „Wir kennen unsere Nachbarn und haben ein gutes Verhältnis.“ Welche Planung sich durchsetzt, muss jetzt auf Senatsebene entschieden werden. Mit den zuständigen Hauptverwaltungen wird es in den nächsten Wochen perspektivische Gespräche geben, kündigte Stadtrat Bewig an.

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