Mit Babette verschwindet eine weitere Größe aus Berlins Bar-Szene. Foto: picture alliance / dpa
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Berlin-Mitte Mietvertrag für die Bar Babette wird nicht verlängert

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Der Vertrag der kultigen Kunststätte läuft nur noch gut ein Jahr. Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) spricht von einem "Opfer der Verwertungsspirale".

Für Babette ist es aus. Verehrer und Freunde sind untröstlich: Die Bar mit Kunst- und Kultursalon an der Karl- Marx-Allee 36 muss im kommenden Jahr den Betrieb einstellen. Der im Stil der 1970er Jahre gehaltene Treffpunkt ist eine der wenigen Möglichkeiten, in dem Quartier einzukehren. Deshalb regt sich nun auch Widerstand gegen das Aus.

Alarmiert beklagte etwa Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) „noch so ein Opfer der Verwertungsspirale, wieder eine Institution, die wegen des Goldrausches auf dem Immobilienmarkt wegziehen muss.“ 190 Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Buchvorstellungen, Hörspiele, Modeshows, Hochzeiten, Geburtstage und Sportveranstaltungen gab es bei Babette. Auch deshalb bot der SPD-Politiker dem Hauseigentümer Gespräche an, um das Ende abzuwenden. Eigentümer des Gebäudes an der Karl-Marx-Allee ist Nicolas Berggruen.

Bekannt ist der US-Unternehmer dafür, zunächst als Heilsbringer und Retter des Karstadt-Konzerns gefeiert – und wenig später als dessen Zerschlager und Verwerter entlarvt worden zu sein. In Berlin hat sich Berggruen mehrere Dutzend Immobilien zusammengekauft. Und immer wieder gab es Klagen von Mietern über Berggruens Geschäftspraktiken, etwa wegen der Entmietung von Objekten, die dieser ebenso oft dementierte.

Es gibt keine Verlängerung

Im aktuellen Fall von Babette sagte die Sprecherin des Unternehmers Ute Kiehn: „Die Berggruen Holdings GmbH hat den Mietvertrag nicht gekündigt.“ Es handle sich vielmehr um einen „befristeten Mietvertrag“. Dieser laufe noch ein Jahr weiter. Das hört sich allerdings ganz anders an in der Pressemitteilung der Betreiber der Bar selber. Darin heißt es: „Nach 14 Jahren hat nun die Nicolas Berggruen Holdings GmbH beschlossen, den Mietvertrag nicht zu verlängern und den Pavillon ab Oktober 2018 dem Café Moskau und deren BetreiberInnen an die Seite zu stellen“. Dieser Beschluss sei „kommentarlos mitgeteilt“ worden, erklärten die Betreiber der Babette. „Es gab und gibt keine Gesprächsbereitschaft“. Zu keinem Zeitpunkt sei die Holding des umstrittenen Unternehmers bereit gewesen, überhaupt Verhandlungen aufzunehmen.

Das Café Moskau gehört ebenfalls Berggruen. Nach dessen Sanierung wurde der frühere Treffpunkt im Kiez umgewandelt und öffnet seither ausschließlich für geschlossene Veranstaltungen gut zahlender Mieter.

Der Bezirk will der fortschreitenden Privatisierung einst öffentlicher Räume nicht tatenlos zusehen und will der Entwicklung deshalb jetzt mit einem Wettbewerb für den Bau neuer Pavillons begegnen.

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