Kreuzberger Legende. Nach Rio Reiser soll ein Platz benannt werden. Foto: Imagop

Berlin-Kreuzberg Teil des Mariannenplatzes soll nach Rio Reiser benannt werden

Sophie Krause
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„Der Mariannenplatz war blau, so viele Bullen waren da“: Die Linke will Rio Reiser einen Teil des besungenen Platzes widmen – doch die Frauenquote des Bezirks steht dagegen.

Geht es nach der Linkspartei, wird dem verstorbenen Rockmusiker Rio Reiser demnächst ein Platz in Kreuzberg gewidmet – und zwar der Mariannenplatz. Einen entsprechenden Antrag brachte die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ein. Fraktionschef Oliver Nöll begründet die Forderung mit der Bedeutung, die der 1996 verstorbene Reiser und seine Band Ton Steine Scherben für den Bezirk hätten, sowie seines kulturellen und politischen Wirkens in der linken Bewegung. Die Gedenkplakette am Tempelhofer Ufer 32, wo die Band in den 70er Jahren gemeinsam wohnte, sei dafür unzureichend.

Die Fraktion fordert die Umbenennung eines Teils des Mariannenplatzes, den Reiser in seinem „Rauch-Haus-Song“ während der Besetzung des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses besang („Der Mariannenplatz war blau, so viele Bullen waren da“). Konkret geht es um den Abschnitt zwischen Mariannen- und Waldemarstraße. Fraktionsübergreifend stimmte die BVV der Überweisung des Antrags an den Kulturausschuss zu. Der soll gemeinsam mit dem Ausschuss für Gleichstellung und Frauen eine mögliche Umbenennung prüfen.

Seit 2005 hat sich der Bezirk eine Frauenquote verordnet

Doch der Rio-Reiser-Plan hat einen Haken: Der Bezirk hat sich 2005 eine Frauenquote von 50 Prozent verordnet. Bis die erreicht ist, sollen Straßen und Plätze nur noch nach Patinnen benannt werden. So gibt es am Mariannenplatz, der schon nach einer Frau benannt ist, eigentlich nichts zu rütteln: Namensgeberin ist die Prinzessin von Preußen, Maria Anna (1785-1846).

Bei Rio Reiser jedoch sei eine Ausnahme möglich, sagte der Chef des Kulturausschusses, Werner Heck. Schließlich habe sich Reiser, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte, stark für Schwulenrechte engagiert, womit er sich ebenfalls für einen Straßennamen qualifiziere. Der Grüne-Verordnete erinnerte zudem an die Ausnahme bei der nach dem linken Aktivisten Silvio Maier benannten gleichnamigen Straße in Friedrichshain. „Fragwürdig“, sagte Heck, sei hingegen eine „Umbenennung von oben“. Deshalb soll es noch in diesem Jahr eine Öffentlichkeitsbeteiligung mit Anwohnern und Bekannten Reisers geben, in der die Umbenennung diskutiert werde.

Die CDU ist weniger begeistert

Naturgemäß wenig begeistert ist die CDU. „Rio Reiser war bekanntermaßen ein prominenter Befürworter der Hausbesetzerszene. Wir sind der Meinung, dass es genug andere Menschen gibt, die hier ihren Lebensmittelpunkt hatten und sich um den Bezirk verdient gemacht haben“, sagte Fraktionsvize Götz Müller. Obwohl seine Fraktion die Umbenennung ablehnt, unterstützt sie die formale Prüfung durch die Experten des Kulturausschusses.

Er störe sich grundsätzlich nicht daran, dass es sich um einen männlichen Namensgeber handle, sondern um die Person Reisers an sich. „Das ist Kreuzberger Landrecht, das da wieder gemacht wird“, sagte er – und erinnerte an den Streit um die Umbenennung des Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platzes, bei dem der Bezirk an der Frauenquote festhielt. Im August bezeichnete Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) die Idee eines Rio-Reiser-Platzes als „Wahlkampfgag“. Man darf gespannt sein, was die Kreuzberger von der späten Würdigung ihres berühmten Botschafters halten.

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