Wie Wohnen in Berlin am Ende des nächsten Jahrzehnts aussehen wird, lässt sich anhand großer Planungsgebiete wie etwa dem Tempelhofer Feld erahnen: grün, intelligent, zentral. Foto: dpa
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Berlin 2030 - Unsere Serie blickt in die Zukunft (2) Wohntrends hin zu Ökologie und Gemeinschaft
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Gemeinsamkeit wird das Wohnen der Zukunft prägen.

"Wir brauchen mehr Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld -10.000, nicht nur 4.000", sagt Maren Kern, die Vorsitzende des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Gemeinsamkeit wird das Wohnen der Zukunft prägen. Baugruppen sehen gemeinsam genutzte Räume vor: ein Foyer im Eingang, einen Fahrradkeller, eine Dachterrasse, Räume mit Kaffeemaschine und Kochnische, bisweilen sogar ein Gästezimmer, das sich alle Hausbewohner für ihre Besucher teilen. Die vielleicht bekannteste Baugruppe Berlins, die „Initiative Möckernkiez“, die 450 Wohnungen am Südrand des Parks am Gleisdreieck bauen will, erhebt das gemeinschaftliche Planen seit dem Erwerb des Grundstückes vor etwa drei Jahren zum Grundsatz: Bei den Treffen der Genossen werden alle Details zum Stand des Projektes vorgestellt und diskutiert. Das kostet Zeit, entspricht aber dem Bedürfnis der neuen Stadtgesellschaft, die sich zurzeit herausbildet.

Ohne Mitsprache und Mitbestimmung werden viele neu geplante Wohnquartiere, die Berlin im Jahr 2030 prägen werden, nicht entstehen können. Bausenator Michael Müller (SPD) beklagte wiederholt, dass zwar „jeder den Neubau von Wohnungen begrüßt, aber keiner will, dass die Projekte vor seiner Haustür entstehen“. Die CDU-Fraktion nimmt diese Entwicklung sehr ernst und will die Lehren aus dem Kampf um das Planungsgebiet Mediaspree ziehen. Die Initiative blockierte per Bürgerentscheid die Entwicklung von Neubauten an den Ufern der Spree in Friedrichshain und Kreuzberg. Für Berlin bedeutet diese Bewegung, was schwäbische Wutbürger für das  Projekt „Stuttgart 21“ sind. Deshalb will die Berliner CDU-Fraktion die Pläne für die Bebauung des Tempelhofer Feldes noch einmal grundlegend mit der Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ und Anwohnern in einem gemeinsamen Forum diskutieren, denn auch hier droht ein Bürgerentscheid.

Berlin 2030

Wohnen in Berlin im Jahr 2030 – das setzt einen „radikalen Umbau der Stadt“ voraus, sagt Planer Dieter Hoffmann-Axthelm. Die Alterung der Berliner erfordere den Abbau von Schwellen und Barrieren. Weil außerdem die Schuldenbremse zum Sparen zwingt, werden Nachbarschaftshilfen und Gemeinschaften wichtig, denn „das Sozialamt kann nicht mehr alles auffangen“. Knappe Kassen zwingen auch zu einer „Verringerung des Flächenkonsums“: Ein Teil der Straßen wird in Bauland umgewandelt. Schule machen könnte die heute schon geplante Umgestaltung des Molkenmarktes am Roten Rathaus. Auch das Marienviertel zwischen Fernsehturm und Schlossneubau wird im nächstem Jahrzehnt bebaut – die Kassenlage verlangt es einfach, denn Straßen und Freiflächen im Zentrum sind bereits versorgt: Leitungen für Wasser, Strom und Wärme, Kitas und Schulen gibt es dort schon, die im Umland fälligen Kosten einer Erschließung sind entbehrlich. Und nach einer Bebauung spart sich die Stadt die kostspielige Erhaltung des Straßenlandes. Einen weiteren Trend gibt es: Wohnen im Turm, etwa am Alexanderplatz. Nur wenige werden sich das leisten können, denn Bau und Betrieb von Hochhäusern sind teuer, entsprechend luxuriös die Mieten oder die Kaufpreise der hoch über der Stadt gelegenen Apartments.

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Einen Lichtblick könnte Berlin 2030 eröffnen: Die Schlangen vor den Türen von Mietwohnungen dürften nicht mehr so lang sein. Darauf lassen Förderprogramme hoffen, die der Senat auflegen will. Wegen der großen Nachfrage nach Wohnraum und der niedrigen Zinsen steigt die Zahl der jährlich gebauten Wohnungen auf über 6000 – und der Senat strebt sogar 10 000 neue Wohnungen jährlich an. Dazu wird ein Zwei-Milliarden-Euro-Programm für städtische Wohnungsfirmen aufgelegt. Das Geld soll per Kredit fließen und für den Bau von 25 000 neue Wohnungen reichen. Um auch die Mieten von Wohnungen privater Bauträger zu dämpfen, will der Senat Druck ausüben: Eine Baugenehmigung bekommt nur, wer einen Teil der Wohnungen günstig vermietet. Belohnt wird er dafür mit Förderungen: 64 Millionen Euro jährlich lässt sich Berlin das kosten und erkauft mit dem Geld günstigere Zinsen für Bauherren. Gelöst wird die Wohnungsnot so wohl nicht – gelindert aber allemal.

Die Hauptstadtregion, ihre Chancen, ihre Herausforderungen - Unsere Serie "Berlin 2030" blickt in die Zukunft. Die nächste Folge erscheint am Dienstag, 4.Juni, zum Thema Berlins Kultur.

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