Wahlkulisse. Der Blick auf den Reichstag ist begehrt bei Fernsehteams. Foto: Thilo Rückeisp

Berichterstattung am Wahltag Der Marathon ist im Weg

Sabine Beikler
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TV-Sender warten noch auf Standortzusagen für ihre Wahlberichterstattung. Das Bezirksamt Mitte hat noch keine Genehmigungen erteilt.

Nach langen Ämter-Wartezeiten, Verkehrschaos bei Lollapalooza und BER-Desaster fehlt für Berlin nur noch diese internationale Schlagzeile: „Die Berichterstattung über die Wahl des 19. Deutschen Bundestags war uns nicht möglich, da wir in Berlin Mitte keine Stellplätze für Übertragungen erhalten konnten.“ Eineinhalb Wochen vor der Wahl haben mindestens 13 internationale TV-Sender, Produktionsfirmen und deutsche Sender wie der Südwestrundfunk (SWR) noch keine Genehmigungen vom Bezirksamt Mitte erhalten – sehr zum Ärger auch der Bundestagsverwaltung.

Am 24. September wird in Berlin nicht nur der Bundestag gewählt und über die Tegel-Offenhaltung abgestimmt, sondern 43.000 gemeldete Teilnehmer laufen durch die Stadt Marathon. Deshalb sind laut Veranstalter SCC Events Standorte rund ums Brandenburger Tor, die Paul-Löbe-Allee und die Reichstagswiese ohnehin gesperrt. SCC Event musste an 32 Punkten auf der Strecke Querungen einrichten, damit Anwohner, von Freiwilligen geleitet, die Strecke überqueren und in ihr Wahllokal gelangen können.

Wegen des Marathons gibt es weniger geeignete Standorte, auf denen zum Beispiel der britische Nachrichtenchannel Sky News Equipment für Übertragungen aufbauen kann. „Anfragen von ausländischen Sendern oder Produktionsfirmen haben wir an das zuständige Straßen- und Grünflächenamt in Mitte weitergeleitet“, sagt Ernst Hebeker, Sprecher des Deutschen Bundestags. Seit geraumer Zeit würden diese Anfragen dann wieder stereotyp an den Bundestag zurückverwiesen. „Doch unsere Zuständigkeit endet nun mal an der Außenmauer unserer Gebäude.“ Hebeker hofft, dass die Behörden in Berlin sich schnell Gedanken machen, wie man dieses Problem löst.

Die Stadträtin ist optimistisch

Sender erhalten als Antwort des Bezirksamtes, man könne aufgrund der erheblichen Sperrungen durch den Marathon und ergänzende Sperrungen durch die Polizei keine Flächen für die Übertragung zur Bundestagswahl ausweisen. „Bitte wenden Sie sich daher an die Bundestagsverwaltung.“ Franziska Paula Riedel arbeitet für „Liveshot Productions“ und hat diverse Plätze für skandinavische Fernsehsender mit Blick auf den Reichstag als Symbol für die Wahl beantragt. Jetzt hofft sie, eine „kleine Fläche“ am Kapelle-Ufer zugewiesen zu bekommen. Und der SWR, der im Fall einer ARD-Havarie für das Ersatzprogramm verantwortlich ist, hat keine Genehmigung erhalten, Produktionsfahrzeuge in der Stauffenbergstraße zu parken. Nun will die Landesvertretung Baden-Württemberg mit einer Fläche hinter dem Gebäude aushelfen. Dafür benötigt der SWR die Genehmigung, zwei Halteverbotszeichen aufzustellen.

„Diese wird der SWR erhalten“, verspricht Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) in Mitte. Auch alle anderen Sender sollen Plätze für die Übertragung erhalten. „Nur eine endgültige Zuweisung gibt es noch nicht.“ Der Verweis auf Zuständigkeit der Bundestagsverwaltung sei ein Missverständnis gewesen. Alles sei „heilbar“. Auch ihr sei daran gelegen, dass alle Medien über die Bundestagswahl berichten könnten.

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