Trotz aller Um- und Neubauten bleibt der alte Wasserturm das Wahrzeichen des Bahnhofs Ostkreuz. Foto: imago/Jürgen Ritter
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Bahnverkehr in Berlin Ab Sonntag ist das Ostkreuz ein Fernbahnhof

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Nach langen Bauarbeiten lebt das Ostkreuz neu auf. An einem neuen Bahnsteig halten Regionalbahnen im Ost-West-Verkehr sowie wenige Fernzüge.

Aus der Schmuddelstation ist ein Schmuckstück geworden. Nach elf Jahren Bauzeit folgt am Ostkreuz mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember eine weitere Etappe. Die neu gebaute Verbindungskurve von der Stadtbahnebene zum Ring geht wieder in Betrieb, und an einem neuen Bahnsteig halten zum ersten Mal auch Regionalbahnen im Ost-West-Verkehr sowie – ganz wenige – Fernzüge.

Über die neue Kurve, bestehend aus zwei Brücken, fahren dann wieder S-Bahnen der Linie S 9 alle 20 Minuten von Spandau über die Innenstadt zum Flughafen Schönefeld – ohne Halt am Ostkreuz. An der Kurve gibt es keine Bahnsteige. Auch die S 3 aus Erkner fährt dann im 20-Minuten-Abstand bis Spandau. Dafür endet die S 5 aus Strausberg Nord bereits in Westkreuz und die S 75 aus Wartenberg am Ostkreuz.

Neu ist der Stopp der Regionalzüge der Linien RE 1, RE 2, RE 7 und RB 14 am neu gebauten Regionalbahnsteig auf der Stadtbahnebene. Weil der Fahrplan keine Reserven mehr hat, durchfahren die Odeg-Züge der RE 2 (Wismar–Cottbus) den Ostbahnhof dafür ohne Halt. Die Züge der anderen Linien stoppen an beiden Stationen. Dafür entfallen die Stopps der Linien RE 7 und RB 14 in Karlshorst. Die dortigen Bahnsteige des Regionalverkehrs werden abgerissen, weil sie marode sind.

Vom Ostkreuz nach Stuttgart

Auch der – private – Fernverkehrszug Locomore zwischen Berlin und Stuttgart hält erstmals am Regionalbahnsteig am Ostkreuz. Im Juni 2018 folgt dann auch ein Intercity-Stopp bei der Verbindung Cottbus–Norddeich. Bei der Rückfahrt Richtung Cottbus lässt der Fahrplan einen Stopp – noch – nicht zu.

Die wichtigste Hürde beim Bahnhofsumbau hatte man bereits zuvor überquert: Seit 21. August halten alle S-Bahnen im Ost-West-Verkehr Richtung Innenstadt sowie stadtauswärts jeweils am selben Bahnsteig. Dieser so genannte Richtungsbetrieb erleichtert die Orientierung beim Umsteigen. Zuvor waren die beiden Bahnsteige verschiedenen Linien zugeordnet.

Komplett barrierefrei

Die Ringbahn hat erstmals eine Halle erhalten, die die Bahn allerdings gleich mit Verkaufspavillons zugestellt hat. Und neben den Ringbahngleisen der S-Bahn ist ein Bahnsteig für den Regionalverkehr entstanden.

Beim Umbau ist der Bahnhof mit den meisten Halten von Zügen in ganz Deutschland erstmals auch komplett barrierefrei geworden; die Bahnsteige sind auch mit Aufzügen zu erreichen – so sie denn funktionieren. Zudem sollen alle vorgesehenen Rolltreppen eingebaut werden. Die Bahn wollte weniger haben.

Vier statt zwei Gleise

Im Dezember 2018 sollen auch Züge aus Lichtenberg kommend am zweiten neuen Ost-West-Bahnsteig halten.

Dann soll auch der Ausbau zwischen Ostkreuz und Warschauer Straße abgeschlossen sein. Statt zwei wird es dann wieder vier Gleise für die S-Bahn geben, was zusätzliche Fahrten ermöglicht. Hier musste auf Anordnung des Eisenbahn-Bundesamtes aus Sicherheitsgründen der Abstand zwischen den Gleisen vergrößert werden, was nachträglich den Bau einer neuen Stützwand erforderte.

Der Neubau des Empfangsgebäudes an der Warschauer Straße, bei dem sich die Arbeiten ebenfalls verzögert haben, könnte Anfang 2019 fertig sein. Derzeit müssen Fahrgäste, geschützt durch Metallwände, durch die Baustelle zu den Zügen laufen.

Und, nicht ganz unwichtig: Nach Angaben der Bahn halten sich die Kosten für das Gesamtprojekt mit gut 500 Millionen Euro „im Rahmen“.

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