Bei Café und Croissant. Der Betreiber des „Filou“ in der Reichenberger Straße sei kein richtiger Bäckermeister, sagt der Hauseigentümer. Alles Strategie, beklagt der Betreiber. Foto: Lea Diehlp

Bäckerei in Kreuzberg "Da soll ja kein Starbucks rein"

Ann-Kathrin Hipp
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In Berlin wird gegen Gentrifizierung protestiert aber der Eigentümer will gar nicht verdrängen, sagt er. Und der Streit um die Kreuzberger Bäckerei Filou geht weiter.

Der Konflikt um die Kreuzberger Kiezbäckerei „Filou“ geht in die nächste Runde. Seit 20 Jahren treffen sich Anwohner hier an der Reichenberger Straße, Ecke Glogauer Straße bei Kaffee und Croissant. Im Juli allerdings soll das „Filou“ schließen, weil der britische Hauseigentümer den Mietvertrag nicht verlängern will.

Das sorgt im Kiez für Unmut und Proteste. 300 Unterstützer haben am Sonntag für den Verbleib der Bäckerei demonstriert. Auch die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg will sich für „Filou“ einsetzen. Einige Bezirksverordnete sehen in der Kündigung ein Zeichen für die zunehmende Aufwertung des Kiezes, durch die alteingesessene Mieter verdrängt werden.

Backwaren seien zu schlecht

Eigentümer Charles Skinner sagt dazu jetzt: „Ich will nicht verdrängen, sondern lediglich einen richtigen Bäcker im Kiez.“ Wäre der Betreiber, Daniel Spülbeck, ein fantastischer Bäcker, hätte er ihn angebettelt zu bleiben, behauptet er.

Das sei allerdings nicht der Fall und die Qualität der aufgebackenen Ware nicht gut. Außerdem, so Skinner, habe es immer wieder Konflikte mit Spülbeck gegeben. „Ich habe lediglich eine schlechte Geschäftsbeziehung beendet, die nicht mehr tragfähig war“, sagt er. Mit Profitgier habe das nichts zu tun.

Charles Skinner selbst lebt in London, hat vor elf Jahren mit seinem Partner in Berlin investiert. Eins ihrer Häuser steht in Wedding, eins in Prenzlauer Berg, eins in Kreuzberg. Letzteres, wo sich auch das „Filou“ befindet, hat Skinner im vergangenen Jahr durch einen Anbau erweitert. In den oberen Etagen sollen Ferienwohnungen entstehen, unten gibt es bereits ein kleines Restaurant. In dem sitzt Skinner jetzt, während er über das benachbarte „Filou“ spricht. „Ich will da ja keinen Starbucks reinpacken oder irgendeinen schicken Laden – einfach nur einen richtigen Bäckermeister“, erklärt er. Der könne von ihm aus dann bleiben, so lange er lebt.

Schlechter Bäcker? "Nie gehört"

Daniel Spülbeck hingegen beteuert, von schlechten Beziehungen oder Misstönen nichts zu wissen. Dass er ein „schlechter Bäcker“ sei, habe er nie gehört. Im Gegenteil: Die Eigentümer hätten immer beteuert, dass sie sich ihn als Betreiber wünschen. „Und plötzlich hieß es, wir müssen raus“, sagt Spülbeck. Dass Skinner jetzt versuche, seinen Laden abzuwerten, hält er für eine „Unverschämtheit“. Die Bäckerei bearbeite frischen Teig und backe ihre Waren nicht einfach nur auf. „Ich denke, das ist eine Schutzstrategie gegen die Proteste im Kiez“, sagt Spülbeck.

Charles Skinner selbst hat persönlich mit den Protesten zu kämpfen. Die Jalousien seines Restaurants wurden zerstört, gegen die Fenster werde jeden Tag gespuckt und seine Frau hätten Demonstranten bereits via Facebook angeschrieben. „Ich werde hier als eine teuflische Person hingestellt, als der Täter“, beklagt er.

Gespräche zwischen Hausbesitzer und Bäckereibetreiber gab es seit der Kündigung keine. Spülbeck allerdings hofft, dass man sich noch einmal gemeinsam an einen Tisch setzen könne, um eine Lösung zu finden.

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