Friedrichstraße Ecke Leipziger. Die Hausfassaden bilden nicht reale Gebäude ab. Sie sind nur gut nachempfunden. Foto: Uli Hanisch / X Film
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Babylon Berlin Die Erfindung der Gegenwart

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Die goldenen 20er erzählen mehr über unsere Zeit als jede andere Epoche. Dabei ist die Erinnerung an sie zersplittert. Nun lässt „Babylon Berlin“ die Metropole des Tempos und der Exzesse wieder auferstehen. Über einen unmöglichen Versuch. Unsere Blendle-Empfehlung

Warum Berlin erfunden werden muss? Weil es nicht da ist. Nicht wirklich da. Allenfalls als Schatten seiner selbst. Denn alles, was es an Aufregendem in dieser Stadt gibt, hat es schon einmal viel aufregender gegeben, bevor es versank im Schein nationalsozialistischer Fackelzüge, im Dämmerlicht der aufziehenden Katastrophe.

Übrig geblieben ist ein Mythos. Der vom Berlin der „wilden“ 20er Jahre. Als die Stadt fünftgrößte der Welt war mit 4,3 Millionen Einwohnern, als alles Tempo, Eile, Ungeduld war. „Mit der Uhr in der Hand, mit’m Hut auf’m Kopp./ Keine Zeit! Keine Zeit! Keine Zeit!“ Als der Hochgeschwindigkeitszug nach Hamburg 98 Minuten benötigte, die U-Bahn im Zwei-Minuten-Takt fuhr und die S-Bahn alle vier Minuten. Als es 128 000 Hungernde in der Stadt gab und sich die neureichen Industriemillionäre prachtvolle Villen in Grunewald bauen ließen.

Aber das löst sich in der Erinnerung auf wie in einem Säurebad. Da sind Partikel, Bruchstücke. „Berlin, Alexanderplatz“, Bauhaus, Neue Sachlichkeit, Stahlrohrmöbel, Nackttänzerinnen, Kokain und Heroin, Reparationszahlungen, „Emil und die Detektive“, Neonreklamen, „Metropolis“ und „Caligari“, Quantenmechanik, Relativitätstheorie und Dada, Boxen, Sechs-Tage-Rennen, Avus, ein Tanz auf dem Vulkan.

Stichworte – mehr nicht. Das Bild der zwölfjährigen NS-Herrschaft ist vollständiger im Gedächtnis erhalten als das der 15 Jahre, die ihr vorausgingen.

Wie aber war es, in jener verrufenen Zeit zu leben in der Stadt der Lebensgier?

Wie der Sprung in eine vergangene Zeit funktioniert, welcher Aufwand nötig ist und welche Vorarbeit der Schriftsteller Volker Kutscher geleistet hat, lesen sie hier für nur 45 Cent im Blendle-Kiosk.

Das Moka Efti war ein prachtvolles Kaffeehaus mit Tanzsaal und Bar. Foto: Uli Hanisch / X Filme
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