Illustration: René Reinheckelp

Befriedigendes Liebesleben Abhilfe bei Erektionsstörungen

Leonard Hillmann
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Mit der passenden Behandlung von Erektionsstörungen muss man nicht auf ein befriedigendes Liebesleben verzichten.

Injektionen
Mit Spritzen können Patienten Medikamente wie Alprostadil direkt in die Schwellkörper injizieren. Dadurch kommt es zu einer besseren Durchblutung der Gefäße und nach einigen Minuten zur Erektion. Mediziner nennen das Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT). Das Piksen schmerze kaum, könne aber langfristig zur Zerstörung des Gewebes führen. Andere Nebenwirkungen sind Knotenbildungen an den Einstichstellen, Blutergüsse und generelle Schmerzen im Penis. Die SKAT-Spritzen sind verschreibungspflichtig und kosten 14 bis 20 Euro pro Anwendung.
Beim Medikamentösen Urethralen System zur Erektion (MUSE) wird der Wirkstoff Alprostadil in Stäbchenform mit einem röhrchenförmigen Applikator in die Harnröhre geschoben. Dort wird es über die Schleimhaut aufgenommen und wirkt nach fünf bis zehn Minuten. Zwar braucht man hierbei keine Spritzen, allerdings ist die Erfolgsrate mit 30 bis 66 Prozent geringer im Vergleich zu SKAT mit 70 bis 80 Prozent. Zehn Stäbchen Alprostadil zur MUSE-Anwendung kosten in der Apotheke zwischen 120 (250 Mikrogramm) und 170 Euro (1000 Mikrogramm).

Illustration: René Reinheckelp

Tabletten
In Deutschland zugelassene Tabletten bei Potenzproblemen gehören zur Gruppe der sogenannten Phosphodiesterase (PDE)-5-Hemmern. Durch sie wird ein Enzym im Abbau von Botenstoffen gehemmt, wodurch deren Konzentration im Gewebe ansteigt. Daraus ergibt sich schließlich eine effektive Gefäßerweiterung. Die bekanntesten rezeptpflichtigen Vertreter dieser sind Sildenafil (Viagra), Vardenafil (Levitra) und Tadalafil (Cialis). Die Pillen sind rezeptpflichtig und man muss selbst für die Kosten von sieben bis 15 Euro pro Tablette aufkommen. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Gesichtsrötungen, schmerzhafte Dauererektionen, eine verstopfte Nase und unterschiedlich starke Sehstörungen sind Ärzten bekannt. Außerdem darf man diese Medikamente nicht in Kombination mit nitrithaltigen Substanzen etwa zur Behandlung von Herzkrankheiten verwenden. Viagra wirkt nach 45 bis 60 Minuten, die Erektionsfähigkeit hält dann etwa vier bis sechs Stunden an. Levitra entfaltet nach 30 Minuten seine Wirkung für acht bis zwölf Stunden. Cialis sorgt nach 60 bis 120 Minuten für bis zu 24 Stunden für Erektionen.

Illustration: René Reinheckelp

Penispumpe
Druckmaßnahmen sind die ältesten Therapieformen bei Erektionsschwächen, denn Vakuumpumpen und Penisringe beheben sie rein mechanisch: Dabei wird der schlaffe Penis in eine meist durchsichtige Plastikröhre eingeführt, die einen Unterdruck erzeugt. Der Penis wird gedehnt und Blut fließt in die Schwellkörper. Sobald das Glied ausreichend steif ist, wird mit einem Penisring an der Peniswurzel der Rückfluss des Blutes aus den Schwellkörpern verhindert. Die Handhabung ist also relativ umständlich, aber sonst ist die Methode verhältnismäßig nebenwirkungsarm. Doch damit es nicht zu Durchblutungsstörungen und Gewebeschäden kommt, sollte man den Ring nach 30 Minuten wieder entfernen. Die Kosten für die Vakuumpumpe - bei qualitativ hochwertigen Modellen bis zu 600 Euro - übernimmt nach ärztlicher Verordnung im Allgemeinen die gesetzliche Krankenkasse. Einige Geräte, die nach dem Prinzip einer Penispumpe funktionieren, werden zudem als angebliche Möglichkeit für eine dauerhafte Penisvergrößerung beworben. Aber eine Wirksamkeit dafür ist wissenschaftlich nicht belegt.

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Implantate
Chirurgische Eingriffe im Sinne einer Gefäßoperation werden heute nur noch äußerst selten vorgenommen. Bis in die 1970er Jahre versuchte man, Verengungen der Blutgefäße des Penis mit Bypässen und Stents zu behandeln. Allerdings blieb ein Erfolg in der überwiegenden Mehrzahl aus. Eine weitaus wirksamere Methode, die einen operativen Eingriff verlangt, sind Schwellkörper-Implantate: Dabei werden große Teile des Schwellkörpers entfernt und stattdessen zwei Kunststoffzylinder, eine Pumpe in den Hodensack und ein Reservoir unter dem Muskelgewebe der Bauchwand implantiert. Die Operation nimmt ungefähr eine Stunde in Anspruch und ist mit einem einwöchigen Klinikaufenthalt verbunden. Danach kann der Mann das Implantat manuell aufpumpen, sozusagen Erektion auf Knopfdruck. Es gibt auch Implantate, die permanent steif, aber biegsam sind. Die Kosten für einige Implantate übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Zwischen 90 und 100 Prozent der Patienten sind nach dem Eingriff mit dem Ergebnis zufrieden, jedoch sollte er genauestens überlegt sein, da die Operation irreversibel ist.

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