Arztbrief Katarakt-Operationen

Leonard Hillmann
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Unser Experte Duy-Thoai Pham ist Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde im Vivantes Klinikum Neukölln.

Erklärung Trübt sich die Linse des menschlichen Auges ein, wird das Bild auf der Netzhaut unscharf - man sieht dann wie durch einen Schleier hindurch. Die Linse besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen, die eintrüben können: dem Kern und der Rinde. Diese Trübung kommt zustande, da die mehrschichtige Augenlinse von einer Kapsel umgeben ist, durch die veraltete Zellen nicht mehr nach außen abtransportiert werden können. „Im Laufe der Zeit verdichtet sich deshalb der Kern der Linse zunehmend durch die abgestorbenen Zellen“, sagt Duy-Thoai Pham, Chefarzt der Augenheilkunde im Vivantes Klinikum Neukölln. Daher ist der Graue Star, medizinisch auch Katarakt genannt, im Alter ein relativ häufiges Leiden: „Diese Volkskrankheit tritt oft nach dem 60. Lebensjahr auf und jeder Zehnte über 70 ist davon betroffen.“ Die gute Nachricht dabei: Augenärzte können einen Katarakt verhältnismäßig einfach operativ heilen.

Symptome Die Sehfähigkeit nimmt langsam ab, Kontraste und Farben verblassen immer mehr. Betroffene fühlen sich von hellem Licht schnell geblendet und sehen schlechter im Dunkeln. Es gibt verschiedene Formen des Grauen Stars: „Bei der Kernsklerose verdichtet sich der Linsenkern allmählich und lange unbemerkt über Jahrzehnte hinweg, bis dann im höheren Alter die Trübung merklich wird“, sagt Pham. Trübt sich hingegen die Linsenrinde ein, werden Einschränkungen der Sehkraft schneller spürbar.

Ursache Neben dem Alter können auch Augenverletzungen wie Augapfelprellungen oder bestimmte Vorerkrankungen einen Grauen Star auslösen. „Bei Diabetikern etwa kann der Graue Star häufiger durch Verklumpung der Linsenproteine vorkommen“, sagt Pham. Auch eine hoch dosierte Kortisontherapie über längere Zeiträume begünstige die Entstehung einer Katarakt. Ein Baby könne bereits mit einer getrübten Augenlinse zur Welt kommen, wenn die Mutter in der Schwangerschaft an Röteln erkrankte.

Diagnostik Augenärzte können einen Grauen Star in der Regel schnell und einfach erkennen. Dafür nutzt der Mediziner im Normalfall die Spaltlampenuntersuchung, nachdem durch Augentropfen die Pupillen erweitert worden sind. Die Trübung ist oft schnell erkennbar. Bei einem stark ausgeprägten Grauen Star kann die Pupille außerdem sichtbar weiß erscheinen. „Bevor die Diagnose gestellt wird, müssen andere Krankheiten, die das Sehen verschlechtern, ausgeschlossen werden, zum Beispiel Netzhaut­erkrankungen, ein Grüner Star oder eine Makuladegeneration (Seite 52)“, sagt Pham.

Therapie Mit Medikamenten kann man einen Grauen Star nicht behandeln, aber er ist operativ heilbar. Dabei wird die eingetrübte Linse durch eine künstliche Linse ersetzt. „Vor der Operation entscheidet der Patient, auf welche Sehdistanzen die Kunstlinse angepasst werden soll“, sagt Pham. Denn wenn der Patient nach dem Eingriff in der Ferne scharf sehen wolle, müssten die Brechwerte der neuen Linse auf eine Normalsichtigkeit berechnet werden. Für die Nähe brauchen die Patienten dann eine Lesebrille. Wenn die Sicht hingegen in der Nähe scharf sein solle, müsse eine Kunstlinse gewählt werden, die nach dem Eingriff kurzsichtig mache. „Heute kommen außerdem auch sogenannte Bi- oder Multifokallinsen zum Einsatz, mit denen man sowohl in der Nähe als auch in der Ferne gut sehen kann, da die Kunstlinse aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften über zwei Brennweiten verfügt“, sagt Pham. Allerdings sei man damit auch stärker blendempfindlich.

Normalerweise wird der Eingriff bei betäubtem Auge, aber bei vollem Bewusstsein des Patienten durchgeführt. „Das Prinzip jeder Katarakt­operation ist, die trübe Linse zu entfernen und durch eine Kunstlinse zu ersetzen“, sagt Pham. Der Chirurg öfnnte die Linsenkapsel mit einem winzigen Schnitt und führt eine kleine Ultraschall-Sonde ein, die die trübe Linse zerkleinert. Sie wird anschließend abgesaugt und zurück bleibt der hauchdünne, leere Kapselsack. In diese Hülle wird die Kunstlinse eingeführt. Diese ist zunächst fest zusammengewickelt und wird erst im Kapselsack entfaltet und so verankert.

Viele Kataraktoperationen werden ambulant durchgeführt - sowohl in Kliniken als auch in einigen Arztpraxen. Ihre Komplikationsrate - etwa Infektionen im Auge oder im schlimmsten Fall eine Netzhautablösung - ist sehr gering. Schon am Tag nach der Operation sehen die Patient besser. In Deutschland werden rund 700 000 Katarakt-OPs pro Jahr durchgeführt.

Prävention Als Risikofaktor für einen Grauen Star vermuten Experten eine hohe UV-Belastung für die Augen - etwa in großen Höhen oder durch langjähriges exzessives Sonnenbaden. Daher sollte man seine Augen mit Sonnenbrillen vor besonders hellem Sonnenlicht schützen. Schwangere können Organerkrankungen ihrer Babys - darunter auch Augenerkrankungen - durch Impfungen vermeiden: Mumps, Masern, Röteln, Windpocken und Keuchhusten sind besonders wichtig.Leonard Hillmann

Bei der Operation wird die getrübte Linsedurch eine künstliche ersetzt. Dazu wirdein Schnitt am Übergang von der Horn- zur Lederhaut gesetzt. In diese Öffnung wird ein spezielles Ultraschallgerät eingeführt, mit dem der Linseninhalt zerkleinert und abgesaugt wird. In den leeren Kapselsack wird die gefaltete Ersatzlinse geschoben, die sich dort entfaltet.

Weitere Themen der Ausgabe: Was die Biologie sagt. Ein Altersforscher erklärt, warum und wie sich der Körper im Laufe des Lebens verändert. Jungbrunnen. Welche Lebensmittel lange fit halten. Fit für die Enkel. Sport im Verein macht Spaß und stärkt das Familienleben. Sex im Alter. Auch mit 70 oder 80 wollen Menschen nicht auf die Lust verzichten. Die Kraft der Pflanzen. Helfen Gingko, grüner Tee oder Ginseng gegen Altersbeschwerden? Kaufberatung. Welche Sehhilfen und Hörgeräte sich wann wirklich lohnen. Den Notruf wählen. Trotz Gebrechen sicher zu Hause. Helfer ja, Pfleger nein! Wie nützlich können Roboter sein. Heilkunde für das Altern. Geriater - die Spezialisten für Senioren. Immer schlau bleiben. Wirkungsvolles Training für das Gehirn. Grauer Star. Wie die trübe Linse wieder klar wird. Schwache Knochen. Osteoporose ist behandelbar. Diabetes. Was gegen den Zucker hilft. Gefährlicher Cocktail. Zu viele Arzneien schaden. Raus aus dem Dunkel. Wie man der Depression entkommt. Außerdem: Kliniken und Arztpraxen im Vergleich. "Tagesspiegel Gesund" - Jetzt bei uns im Shop

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