Anzeige
Foto:
p

Tourismuswirtschaft Deutsche Tourismuswirtschaft boomt – aber wie lange noch?

0 Kommentare

Fremde Kulturen entdecken und neue Dinge erleben – seit Carl Stangen 1868 in Berlin das erste ernstzunehmende Reisebüro Deutschlands eröffnete, ist dies zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell geworden. Ob er sich hätte träumen lassen, dass seine Nachfolger und die vielen sonstigen Unternehmer der Tourismuswirtschaft einmal knapp 3 Millionen Menschen in Deutschland einen Arbeitsplatz bieten würden? Oder dass man heute nur zwei Flugstunden bis nach Venedig braucht anstatt wie dereinst Goethe tagelang per Kutsche anzureisen?

In den letzten 150 Jahren ist viel passiert und spätestens seit Reisen im Zuge des Wirtschaftswunders für jedermann erschwinglich wurde, begann der Aufstieg der Deutschen zum Reiseweltmeister. Reisen ist uns ins Blut übergegangen. 1,67 Milliarden Reisetage sind wir jährlich „auf Achse“, erkunden auf Ausflügen oder längeren Reisen Deutschland und die Welt. Fragt man die Deutschen, wofür sie besonders gern ihr Geld ausgeben, stehen nicht Autos oder Smartphones auf Platz 1, sondern Reisen. Kein Wunder: Wer von uns freut sich nicht auf den Sommerurlaub oder die Skiferien? Auf ein verlängertes Wochenende an der Ostsee oder ein paar aufregende Stunden im Freizeitpark? Ganz egal ob man der Actiontyp ist oder eher auf Erholung steht, ob man die heimischen Schönheiten des Schwarzwalds schätzt oder die Exotik Südostasiens: 150 Jahre nach Carl Stangens ersten Schritten im Reisegeschäft gibt es für jeden von uns das passende Angebot.

Und nicht nur die Vielfalt an Zielen ist immens. Auch wenn es um das „wie kommen wir hin?“ oder „was machen wir vor Ort?“ geht, stehen wir heutzutage vor einer erfreulichen Qual der Wahl: Fliegen oder Bahn fahren? Reisebus oder Mietwagen? Oder einfach mit dem eigenen PKW losfahren? Auch das Kreuzfahrtschiff ist für viele von uns ein gern genutztes Fortbewegungsmittel auf den Ozeanen und Flüssen dieser Welt geworden. Wem die Aussicht auf die schwimmende Unterkunft jedoch nicht behagt, kann beruhigt auch an Land bleiben: Die Auswahl an Unterkünften im In- und Ausland ist immens. Allein in Deutschland gibt es mehr als 30.000 Hotels, Pensionen und Gasthöfe – wir könnten also, wenn wir wollten, jede Nacht unseres Lebens in einem anderen verbringen. Noch größer ist die Auswahl, wenn es um das leibliche Wohl geht – mehr als 70.000 Restaurants bewirten hierzulande nicht nur einheimische Gäste, sondern natürlich auch Touristen und Geschäftsreisende – Cafes, Bars und Kneipen noch nicht mitgezählt.

Unsere Möglichkeiten, Freizeit und Urlaub zu gestalten, sind vielfältigste. Sie machen unser Leben interessanter, weltoffener und lebenswerter. Wir können aus unzähligen Angeboten wählen, die uns das Internet in den letzten Jahren sogar bis an den Frühstückstisch gebracht hat.

Hinter diesen Angeboten – egal ob es um Auslandsreisen geht oder Reisen in Deutschland, um lange Urlaubsreisen oder Tagesausflüge – steht die deutsche Tourismuswirtschaft, die sich durch den Dachverband BTW politisch vertreten lässt. 4 Prozent der Bruttowertschöpfung Deutschlands gehen auf das Konto dieser Branche. Damit ist sie auf Augenhöhe mit Automobilindustrie und Maschinenbau. Politisch hat sich diese Erkenntnis allerdings noch nicht endgültig durchgesetzt. Die Politik spricht gern von den 800.000 Arbeitsplätzen, die es in der Automobilindustrie zu sichern gilt. Fakt ist: Im Tourismus sind es 3 Millionen! Deren Arbeitgeber jedoch kämpfen zunehmend mit Bürokratie und mit finanziellen Belastungen wie Luftverkehrsteuer, gewerbesteuerlichen Sonderlasten oder Bettensteuern, die zum Teil auch auf die Kunden umgelegt werden müssen. Die Unternehmen sehen sich auch mit neuen Wettbewerbern im Ausland oder auch aus der „Sharing“ Economy konfrontiert, die im wahrsten Sinne des Wortes unbelasteter arbeiten können. Das hat auch dazu beigetragen, dass andere Branchen zuletzt stärker zulegen konnten als die deutsche Tourismuswirtschaft. Resultat: Der Anteil des Tourismus an der Bruttowertschöpfung ging von 4,4 auf 3,9 Prozent zurück.

Spitzenvertreter der Branche vor dem Reichstag: Demonstration für Erhalt von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in der Tourismuswirtschaft    Foto: Svea Pietschmann
p

Tourismus muss künftig dringend in den Fokus der Wirtschaftspolitik rücken – so wie es bei anderen, vergleichbaren wirtschaftlichen Schwergewichten auch der Fall ist. Weniger Belastungen und mehr wirtschaftspolitisches Verständnis für Tourismus: Dafür kämpfen die Partner der Kampagne „Auf Zukunft gebucht – Die Tourismuswirtschaft“, die zeigt wie stark und vielfältig Tourismus ist – und dafür wirbt, dass sich politisch etwas ändern muss.
(Mehr hier: www.die-tourismuswirtschaft.de)

 

 

Zur Startseite